#113 – Interview mit MS-Patientin Tanja alias @taniiijahhh

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Zum Blogbeitrag:

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In Folge #113 vom MS-Perspektive Podcast interviewe ich Tanja Cordewener alias @taniiijahhh. Wir kennen uns von Instagram, wo mir Tanja aufgefallen, weil sie ein sehr ambitioniertes Sportprogramm durchhält. Wir sprechen über Ihr Leben mit Multipler Sklerose und wie sie die Diagnose dazu motiviert hat für Marathons zu trainieren. An drei Marathons hat sie bereits erfolgreich teilgenommen und noch einige weitere auf der Liste.

Vorstellung

Hi, mein Name ist Tanja. Ich bin 32 Jahre alt, verheiratet, habe eine Tochter und wohne in Aachen.

Diagnose und aktueller Status Seit wann hast du die Diagnose?

Die MS wurde im April 2016 bei mir diagnostiziert.

Wie geht es dir aktuell mit der MS?

Zur Zeit darf ich mich nicht beschweren, da mich die MS an sich im Großen und Ganzen in Ruhe lässt. Aufgrund der MS kämpfe ich immer wieder mit Depressionen – Dies ist natürlich sehr belastend.

Nimmst du eine verlaufsmodifizierende Therapie bzw. hast du bereits mehrere ausprobiert?

Nein, „Schulmedizinische“ Medikamente habe ich nie ausprobiert. Ich nehme hochdosiertes Vitamin D und noch eine ganze Reihe weiterer Nahrungsergänzungsmittel. Solange meine MS stabil bleibt, ist dies mein Weg. Sollte sich der Verlauf verändern, würde ich natürlich gemeinsam mit meinem Neurologen neu entscheiden.

Wie hat sich Deine Einstellung in Bezug auf Glück, Zufriedenheit und Dankbarkeit geändert?

Ich glaube, dass ich seit der Diagnose viel dankbarer bin für das, was gerade ist. Denn mir ist bewusst geworden, dass selbst die einfachsten Dinge nicht selbstverständlich sind. Außerdem Versuche ich mehr im Hier und Jetzt zu Sein und den Augenblick wahrzunehmen und zu genießen.

Leben, Beruf und Hobbies Wie sah deine Lebensplanung vor der Diagnose aus? Und hat sich deine Einstellung in Bezug auf Beruf, Familie und Freizeit seit der Diagnose verändert?

Vor allem im Bezug auf Beruf hat sich meine Einstellung sehr verändert. Vor der Diagnose war ich im Justizvollzug tätig. Ich habe meinen Beruf gerne ausgeführt und da ich verbeamtet war, war der Plan natürlich dort bis zur Rente zu arbeiten.

2019 wurde ich in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Das hat mir damals den Boden unter den Füßen weg gezogen. Aber mittlerweile bin ich dafür sehr dankbar. Ich habe nun die Zeit, mich um meine Familie und um mich zu kümmern. Damals fehlte mir dafür oft die Kraft.

Wann hast du begonnen intensiv Sport zu treiben?

Ich habe eigentlich schon immer viel Sport gemacht. Aber erst seit der Diagnose ist es so regelmäßig und intensiv geworden. Für mich gehört Sport zu meiner Therapie und ich rede mir ein, dass der Sport mir dabei Hilft, die MS ruhig zu halten.

Wie stark achtest du auf deine Ernährung und was ist dir daran besonders wichtig?

Ich versuche mich ausgewogen zu ernähren. Ich baue viel Obst und Gemüse in meinen täglichen Essensplan ein. Aber es gibt auch ungesunde Lebensmittel auf dem Speiseplan. Für mich ist es besonders wichtig, mich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Ich bin ein emotionaler Esser und ich neige dazu Dinge im extrem auszuleben und es gab Phasen in meinem Leben, in denen ich mit Essen gestruggelt habe. Ich glaube, dass der Stress den ich mir oft gemacht habe, insgesamt schädlicher für den Verlauf der MS ist als ab und an ungesunde Lebensmittel zu essen.

Wie sieht eine normale Trainingswoche bei dir aus? Momentan trainiere ich nach Lust und Laune und ich befolge keinen gezielten Trainingsplan. Trotzdem versuche ich mindestens 5 x in der Woche aktiv zu sein. Ich gehe laufen, wandern, ins Fitnessstudio, bouldern oder ich setzte mich auf mein Spinningbike. Du hast außerdem die Trainer B Lizenz. Wie erlangt man eine solche Lizenz und nutzt du sie im Alltag eher im Beruf oder zum erreichen deiner eigenen Ziele? Ich habe die Lizenz über eine online Akademie erworben. Es sollen noch weitere Qualifikationen folgen. In erster Line habe ich die Lizenz für mich gemacht da ich sehr an der Thematik interessiert bin. Ich kann mir aber auch vorstellen irgendwann in einem Fitnessstudio zu arbeiten. Du bist bereits bei drei Marathons ins Ziel gelaufen. Wie war das und an welchen willst du noch teilnehmen? Die Idee Marathon ist für mich erst nach der Diagnose gewachsen. Als ich dann bei meinem ersten Marathon ins Ziel gelaufen bin, war ich natürlich unfassbar glücklich und stolz. Nächstes Jahr soll es zuerst der Hamburg Marathon werden und Ende des Jahres endlich der New York Marathon. Tipps Was war dein tiefster Tiefpunkt mit der MS und wie hast du dich wieder empor gekämpft? Mein bisheriger Tiefpunkt war Anfang des Jahres, als es mir psychisch sehr schlecht ging. Mir hat es geholfen, dass ich offen mit meiner Frau reden konnte und sie mich immer unterstützt hat. So habe ich die Kraft gefunden mir zu meiner ambulanten Therapie weitere professionelle Hilfe zu suchen. Und so bin ich im Mai diesen Jahres für 10 Wochen stationär in einem psychiatrischen Krankenhaus aufgenommen worden. Das war eine sehr harte und intensive Zeit, aber nun geht es mir deutlich besser und ich glaube das ich auch für kommende schwierige Situation besser gewappnet bin. Was machst Du wenn Du alte Symptome verspürst? Ich neige zum somatisieren und gerade nach der Diagnose habe ich jedes „ziepen“ an meinem Körper überbewertete. Mittlerweile versuche ich erst mal relaxt zu bleiben und abzuwarten, ob die Symptome länger als 24h bleiben. Erst dann würde ich zum Neurologen gehen und das weitere Vorgehen mit ihm besprechen. Zukunft und Ziele Gibt es einen großen unerfüllten Wunsch? Ich wünsche mir im Laufe der kommenden Jahre alle Major Marathons zu laufen. Dies ist neben der körperlichen auch eine finanzielle Herausforderung aber ansonsten bin ich zufrieden wie es ist. Welche Entwicklung wünschst du Dir im Bereich der MS in den kommenden 5 Jahren? Ich würde mir wünschen, dass man die MS versteht, woher sie kommt und warum sie bei jedem anders verläuft. Damit man dann für jeden individuell eine Therapieform findet die auch hilft. Blitzlicht-Runde Was war der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast? Ich finde allgemeine Ratschläge oft unangebracht bzw. zu allgemein. Im menschlichen miteinander ist es viel wertschätzender, echte Empathie und Zeit geschenkt zu bekommen. Wie lautet dein aktuelles Lebensmotto? – Gedanken erschaffen Realität – Mit welcher Person würdest du gern einmal ein Kamingespräch führen und zu welchem Thema? Gibt es momentan keine Person. Vervollständige den Satz: „Für mich ist die Multiple Sklerose... “ …eine Chance Erfahrungen im Leben zu machen, für die ich sehr dankbar bin und die ich ohne die MS niemals bekommen hätte. Welche Internet-Seite kannst du zum Thema MS empfehlen? Ich kann leider keine Seite empfehlen. Die MS spielt keine so große Rolle in meinem täglichen Leben und sie bekommt nicht so viel Raum. Die MS Community auf Instagram ist ja sehr groß und der Austausch dort reicht mir aus. Welches Buch oder Hörbuch, das du kürzlich gelesen hast, kannst du uns empfehlen und worum geht es darin? Ich kann das Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky empfehlen. In dem Buch geht es um den Sinn des Lebens. Verabschiedung Hast du einen Tipp, den du deinem jüngeren Ich geben würdest, für den Zeitpunkt der Diagnose? „Keine Angst, du findest deinen Weg!“ Möchtest du den Hörerinnen und Hörern noch etwas mit auf dem Weg geben? Keiner von uns muss seinen Weg alleine gehen! Es gibt immer Möglichkeiten Hilfe zu bekommen und jeder von uns ist es Wert, diese Hilfe zu erhalten. Wenn ihr Fragen habt könnt ihr mich gerne über Instagram direkt anschreiben. Wo findet man dich im Internet? Regelmäßig pflege ich nur Instagram – @taniiijahhh

Vielen Dank, liebe Tanja, für das geführte Interview und weiter viel Erfolg mit Deinen sportlichen Zielen!

Anmerkung: Die aktuelle wissenschaftliche Empfehlung lautet, dass man als wichtigsten Grundpfeiler ein verlaufsmodifizierendes Medikament nimmt, um die MS bestmöglich auszubremsen. Kombiniert werden sollte das mit einem gesunden Lebensstil, wie von Tanja praktiziert.

Bis bald und mach das beste aus deinem Leben, Nele

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Hier findest du eine Übersicht zu allen bisher interviewten MS-Patienten.

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